Bad Honnef. Das serielle Bauen ist in aller Munde. Ebenso modulares Bauen und serielles Sanieren. Mathias Schäfer, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF), ist überzeugt, dass der Markt für diese Bauweisen weiterwachsen wird. „Der Bedarf an Neubau und Sanierung wird weiter zunehmen, und das präfabrizierte Bauen kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, diesen Bedarf zu decken. Wir sind davon überzeugt, dass der Fertigbau eine wesentliche Stütze für den Gebäudebestand der Zukunft sein und weitere Marktanteile gewinnen wird.“

 

Der deutsche Fertigbau ist schon seit vielen Jahren Pionier und Vorreiter, wenn es darum geht, Bauvorhaben durch wiederkehrende Prozesse und Produkte schneller, ressourceneffizienter und kostengünstiger zu realisieren – und zwar bei hoher Qualität und Nachhaltigkeit. Diesen Erfahrungsschatz bringt die Branche neben dem Eigenheimbau zunehmend im Geschosswohnungs- und Objektbau ein. „Das serielle und modulare Bauen ermöglicht es, Bauprojekte besser zu planen und zu dokumentieren. Die modernen und effizienteren Fertigungsmethoden kompensieren zugleich den immer größer werdenden Fachkräftemangel“, so BDF-Präsident Schäfer.

 

Allerdings werde das Potenzial dieser Art zu bauen längst nicht hinreichend ausgeschöpft. Das habe konjunkturelle sowie baurechtliche und -politische Gründe. „Wir brauchen in den Baubehörden jetzt schnell mutige Entscheidungen, um die drängenden Probleme am Bau- und Wohnungsmarkt anzugehen. Und es braucht weitere Maßnahmen der Bundesregierung, um die träge Baukonjunktur anzukurbeln und schneller neuen Wohnraum zu schaffen,“ sagt Schäfer. Als Beispiel nennt er den „Bau-Turbo“, der zwar als Ansatz richtig gewesen sei, der aber in der Praxis noch keine spürbare Verbesserung gebracht habe. Viele Kommunen seien bei der Anwendung des entsprechenden Paragrafen 246e in der Genehmigungspraxis noch zu zurückhaltend. Das A und O bleibe daher der dringende erforderliche Bürokratieabbau, um Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und Baukosten zu senken. „Der baurechtliche Rahmen darf das große Potenzial serieller und modularer Bauweisen nicht ausbremsen“, so der BDF-Präsident weiter. Dass Potenziale bislang ungenutzt bleiben, liegt auch an verpassten Skaleneffekten. Diese könnten umso größer ausfallen, je weniger Anpassungen die unterschiedlichen Landesbauordnungen und Baubehörden der Kreise und Kommunen forderten. Es müsse möglich sein und gelebte Praxis werden, dass ein einmal genehmigtes Gebäude bundesweit ohne aufwendige Genehmigungsverfahren wieder gebaut werden kann, so Schäfer.

 

Kritik übt der Verbandspräsident am aktuellen Vergaberecht. Es schließe Unternehmen, die seriell oder modular bauen, von vornherein aus und konterkariere damit einen gesunden Wettbewerb: „Das heutige Vergaberecht zwingt öffentliche Auftraggeber, Projekte in viele Einzellose zu unterteilen. Unsere Leistung ist aber das gesamte Gebäude – sie lässt sich nicht aufteilen.“ Wenn es die Politik mit der Baubeschleunigung ernst meine, müsse sie hier handeln und auch selbst eine Vorbildfunktion bei der Vergabe von Bauaufträgen aus öffentlicher Hand einnehmen: „Gerade durch serielles und modulares Bauen sowie serielles Sanieren könnten die dringend benötigten Schulen, Kitas, Pflegeimmobilien und Kasernen überall in Deutschland in gleichbleibender Qualität und zu verlässlich kalkulierbaren Kosten entstehen oder energetisch ertüchtigt werden. Das Potenzial hierfür ist längst vorhanden.“ BDF/FT

 

Bild: „Das serielle und modulare Bauen ermöglicht es, Bauprojekte besser zu planen und zu dokumentieren.“ Foto: BDF/Nordhaus



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