International

English Français Italiano русский Polski Türkçe

Startseite >BDF>Veranstaltungen

BDF Technikertagung 2018 - Bad Mergentheim

Techniker Tagung 2018

Experten blickten bei Branchentreff über den Tellerrand


170 Fertigbau-Fachleute bei Tagung des BDF in Bad Mergentheim

Bad Honnef/Bad Mergentheim. Am 19. und 20. April 2018 trafen sich rund 170 Fachleute zur diesjährigen Technikertagung des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) in Bad Mergentheim. Auf Einladung des Dachfensterherstellers Roto waren die Mitgliedervertreter und Partner des BDF ins Taubertal gekommen, um am Roto Campus aufschlussreiche Vorträge, intensives Networking und eine beeindruckende Unternehmens- und Produktpräsentation zu erleben. Als Gastgeber begrüßten Christoph Hugenberg und Markus Röser die Teilnehmer und bereiteten einen überzeugenden Einstieg in die zweitägige Veranstaltung: „Wir haben den Anspruch auf Professionalität“, versicherte der Roto-Vorstand Hugenberg. Diese Professionalität gelte sowohl für die Produkte des Hauses, als auch für den Service, den der Profikunde von dem Hersteller erwarten könne. Das Angebot sei komplett, egal ob es sich um das obere oder das mittlere Preissegment oder um Holz- oder Kunststofffenster handele. Und, so Christoph Hugenberg weiter, sei alles immer Premium.

Holzbauanteil wächst auf 19,7 Prozent
Mit diesen Worten übergab Hugenberg das Wort an Johannes Schwörer. „Der moderne Holzfertigbau erfreut sich einer stetig wachsenden Beliebtheit und nie dagewesener Wertschöpfung“, erklärte Schwörer in seiner Begrüßungsrede. Im Jahr 2017 habe sich die Fertigbaubranche erneut besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Mit 19,7 Prozent Marktanteil sei eine neue Höchstmarke erreicht, rechnete der BDF-Präsident und Unternehmer aus Hohenstein/Oberstetten den Teilnehmern vor. Diese gute Entwicklung sei nur mit guten Produkten möglich, zeigte sich Schwörer überzeugt. Dennoch fehle es an bezahlbaren Grundstücken und es stünden trotz gut gefüllter Auftragsbücher wichtige Themen auf der Agenda des Verbands, die angegangen würden. Neben der EnEV sind dies etwa die VOC-Thematik oder auch das mehrgeschossige Bauen.

Durch das weitere Programm führte Georg Lange. Der Geschäftsführer des BDF begrüßte zunächst Steffen Carle, der in seiner Funktion als Produktmanager die neuste Variante des Roto Quadro-Dachfensters von seiner Historie bis in die Gegenwart vorstellte. Darauf folgte eine Podiumsdiskussion zwischen Rotovertretern und Vertretern aus dem Kreise der BDF-Mitglieder, in der beispielsweise die Vorteile und Qualitäten der Roto-Produkte und auch das Thema Gebäudeautomation diskutiert wurden. In Bezug auf Smart Home hat sich der Hersteller für ein offenes System entschieden, was die hauseigenen Dachfenster kompatibel mit verschiedenen Smart-Home-Produkten macht. „Wir sind 'ready' für die Wünsche des Kunden“, erklärte Christoph Hugenberg. So wie man es mit „HD ready“ vom Fernseher kenne, seien auch die Roto-Produkte für die Smart- Home-Zukunft vorbereitet.

Ohne Ziele kein Erfolg
Einen Kernvortrag des Tages hielt Hannes Katzschner zum Thema Lean Produktion. Die systematisierte Produktionsorganisation, wie sie bei japanischen Automobilherstellern zu finden ist, habe auch bei Roto Einzug gefunden und zu wichtigen Optimierungen in der Produktion, aber auch in der Unternehmensorganisation und -kommunikation geführt, versicherte der Direktor Marketing und Vertrieb. Verbesserungsbestrebungen müssten dabei stets zielgerichtet sein, sonst seien sie reine Verschwendung. Demnach stünde nicht die Frage „Rechnet sich die Verbesserung?“ im Mittelpunkt, sondern „Ist sie zielführend?“.

Im weiteren Tagesverlauf hatten die Teilnehmer Gelegenheit die Produktion des Herstellers zu besuchen und sich das vorher Gehörte in der Umsetzung anzuschauen. Prozessoptimierung bis zur letzten Schraube zeichnen die Abläufe in den Werkshallen aus. Dem vorgeschaltet ist ein Wissens- und Arbeitscampus, der Produktmanagern, Produktionern und Marketingverantwortlichen Möglichkeiten bietet, in Gruppen zusammenzukommen und die Produkte und Abläufe sukzessive zu optimieren.

Zum Abschluss des ersten Veranstaltungstags kam schließlich das Thema Building Information Modeling (BIM) aufs Tapet, gefolgt von einem Vortrag zur Bodentreppe Designo der Roto-Tochter Columbus Treppen GmbH.

Leitungswasserschäden machen Löwenanteil aus
Der zweite Tag der Technikertagung stand im Zeichen der aktuellen und zukünftigen BDF-Projekte. „Moderner Personen und Sachwertschutz im Fertighaus“ heißt eines der Projekte, die der Verband derzeit bearbeitet. Alexander Küsel und Mingyi Wang vom Verband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sowie Sebastian Brose von der VdS GmbH, Köln gaben einen Überblick über den aktuellen Sachstand zu dem Gemeinschaftsprojekt von GDV und BDF. Statistiken waren dabei wichtige Elemente der Referate und trotz ihrer eher trockenen Anmutung ist ihr Inhalt für die Branche von besonderer Wichtigkeit. So seien es nämlich nicht etwa die Schäden durch Feuer, sondern die Leitungswasserschäden, die den Löwenanteil des Schadensaufkommens in der Gebäudeversicherung ausmachten.

Des Weiteren hingen die Gefahren, denen ein Gebäude ausgesetzt ist, unmittelbar von dessen Standort ab, erklärten die Referenten. Wer im Hochwassergebiet baue, müsse Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser treffen. Und ein Gebäude in einer höheren Erdbebenzone muss entsprechend auf Erdbeben bemessen sein. Daher sei es wichtig, frühzeitig die Randbedingungen des Bauprojekts zu kennen. Aus diesem Grund wurde der VdS GeoRiskReport ins Leben gerufen. Die Datenbank gibt Bauplanenden eine unmittelbare Übersicht über die Gefahren, die am zukünftigen Gebäudestandort zu erwarten sind.

Auch das Thema „Gefährdung durch Starkregenereignisse“ hatte einen sinnvollen Platz in der Veranstaltungsagenda und brachte den Teilnehmenden aufschlussreiche Erkenntnisse. Denn im Zuge der Nachverdichtung vieler Gemeinden steigt die Belastung der Kanalsysteme und damit die Gefahr von Überflutungen infolge Starkregens. Manfred Müller von den Technischen Betrieben Solingen konnte schlüssig klarmachen, dass die Kanäle vieler Städte die zunehmenden Starkregenereignisse nicht mehr schnell genug abführen können. Eine Sanierung der Abwasserleitungen sei aber aus vielerlei, besonders aus finanziellen Gründen nicht umsetzbar. Dennoch zeigte Müller Möglichkeiten auf, wie Städte und Gemeinden mit zielgerichteten Maßnahmen, dem Starkregen Herr werden könnten. Dabei hatte der querdenkende Referent sehr kreative Vorschläge, die dem Vortrag seine kurzweilige Note verlieh.

Flüchtige organische Verbindungen: Alles produziert VOC
„Es ist etwas desillusionierend, dass in Innenräumen eigentlich alles VOC produziert“, erklärte Dr. Alexandra Schieweck zu Beginn des folgenden Vortrags. So seien es das Kochen, das Putzen, das Rauchen und auch der menschliche Organismus, die für schlechte Luft sorgten. Hinzu kommen die Innenausstattung, aber auch die geografische Lage des Gebäudes, führte die Wissenschaftlerin vom Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-Institut fort (WKI) fort.

Walter Meyer, Technischer Referent beim BDF, unterstützte als Co-Referent die Aussagen seiner Vorrednerin. Er erläuterte die Komplexität des Themas im Rahmen des Baurechts und die relevanten Anforderungen in der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVVTB). In puncto Brandschutz und VOC stehen einige Regelungen der MVVTB im Widerspruch zu den Regelungen der Musterbauordnung und der Landesbauordnungen oder sehen verschärfende Anforderungen vor. Die MVVTB schränke die Nutzung des Baustoffs Holz sehr stark ein, so Meyer. Daher haben die Holzwirtschaftsverbände dafür gesorgt, dass die Argebau diese Anforderungen in wichtigen Punkten relativiert hat. Schließlich definierte Meyer das klare BDF-Ziel: „Wir möchten Sie, die Mitgliedsunternehmen des BDF ermutigen und befähigen, VOC-arm zu bauen.“

Informationen aus den Arbeitskreisen des BDF
Anschließend stellten Martin Müller von der Bundes-Gütegemeinschaft Montagebau und Fertighäuser (BMF), Georg Lange und Walter Meyer die Ergebnisse aus den verschiedenen Arbeitskreisen des Verbandes vor. Neben den Themen „Bauphysik“ und „Konstruktion und Statik“ geht es dort auch um die Technische Gebäudeausrüstung und um Arbeits- und Umweltschutz. Hinzukommen werden eine Arbeitsgruppe zum BDF-Leitfaden Mehrgeschossbau sowie ein BIM-Arbeitskreis. Und schließlich ging Georg Lange zum Abschluss seiner Ausführungen noch auf die aktuellen Entwicklungen beim AFDD, der Fehlerlichtbogenschutzeinrichtung, ein. Das Thema lasse ihn nicht mehr los, erklärte der BDF-Geschäftsführer mit einem gehörigen Maß an Ironie. Im Bezug auf die Thematik könne nicht vom Stand der Technik gesprochen werden, da es für AFDDs keine Gütepraxis gibt.

Den Abschluss der Vortragsreihe leitete Borimir Radović ein. Der Akademische Direktor i.R. Ist Obmann des QDF-Beirats und Mitinitiator eines Projekts mit dem Titel „BDF-Flachdachmonitoring 2018“. Im Rahmen des Projekts sollen Langzeitmessungen durchgeführt und gezeigt werden, dass Flachdächer, die als vollgedämmte, nicht belüftete Konstruktionen gemäß dem Bild A.20 der DIN 68800-2:2012-02 hergestellt worden sind, dauerhafte Sicherheit gegen Durchfeuchtung bieten. Dabei sei die in der Norm geforderte Werksfertigung ein wesentliches Detail für diese Sicherheit. Das Monitoring soll in Kürze gestartet werden.

Schließlich fand Georg Lange lobende und dankende Worte zu der erfolg- und aufschlussreichen Technikertagung 2018. Dank galt sowohl den Verantwortlichen bei Roto wie auch den Referenten. „Wir sind immer an einer Weiterentwicklung unserer Arbeit als auch des Formates der Technikertagung interessiert und dabei offen für Anregungen und Kritik“, betonte Lange in seinem Schlusswort und brachte seine Freude über die positive Resonanz zu der Branchenveranstaltung zum Ausdruck. Dies zeige, dass die Technikertagung des BDF die technische Plattform der Branche sei und die Themen den Nerv der Zeit der träfen.

Schließlich danke Georg Lange Menschen, die sich durch ihre langjährige, konstruktive Mitarbeit im BDF verdient gemacht haben. Besondere Erwähnung fand dabei Franz-Josef Schnorr. Der Obmann, der in Kürze seinen Ruhestand genießen wird, war fast 49 Jahre bei Huf Haus tätig und hat den Verband und die Entwicklung der Fertigbaubranche über die Jahre maßgeblich beeinflusst. Ebenso wurde Hermann Arnold, Technischer Leiter bei Fingerhaus für seine Tätigkeit als stellvertretender Obmann im Arbeitskreis Technische Gebäudeausrüstung gedankt.

Die nächste Technikertagung findet am 4. und 5. April 2019 bei der Firma Knauf in Iphofen statt.

Bildergalerie:



Zurück zu "BDF Technikertagung"