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Wirtschaftliche Lage der deutschen Fertigbauindustrie: 2006

So gut wie die Laune der Fußballfans in den Stadien von Berlin bis Köln war in den vergangenen Wochen auch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigster Frühindikator zeichnete im Juni ein so positives Stimmungsbild wie zuletzt im März 1991. Auch unsere Branche bewertet ihre aktuelle Lage positiv und sieht sich in den nächsten sechs Monaten auf Wachstumskurs.

Das belegt die Auswertung der jährlichen Konjunkturumfrage des BDF unter seinen 45 Mitgliedsunternehmen, in der die Hälfte der Betriebe (50,0 %) ihre aktuelle Geschäftslage als "gut" und weitere 47 % als "befriedigend" bezeichnen. Nur 3 % betrachten ihre Lage derzeit als "schlecht". Damit hat sich die Stimmung der Branche im Vergleich zum vergangenen Jahr weiter deutlich aufgehellt. 2005 sah sich noch nur knapp ein Drittel (31 %) der Unternehmen in einer guten, rund 19 % dagegen in einer eher schlechten Lage.

Die durchweg positiven Einschätzungen setzen sich beim Blick in die nähere Zukunft fort. Für die kommenden sechs Monate erwarten die Haushersteller mehrheitlich eine noch bessere (42 %) oder wenigstens gleich bleibend gute Geschäftsentwicklung (48 %). Mit einer Abschwächung rechnet nur jeder zehnte Betrieb (10 %).

In den 45 Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau sind derzeit 9.781 Mitarbeiter (Ende 2005: 9.602) beschäftigt. Entgegen dem anhaltenden Beschäftigungsrückgang im übrigen Baugewerbe haben die Fertigbau-Betriebe ihre Mitarbeiterzahl damit in diesem Jahr um 1,9 % gegenüber dem Vorjahr erhöht.

Die Unternehmen erwarten für das laufende Jahr 2006 einen Umsatz von insgesamt 1,61 Mrd. Euro und damit ein Wachstum von 7,8 % gegenüber dem Vorjahr (1,49 Mrd. Euro). Für das Gesamtjahr 2006 rechnen unsere Betriebe mit dem Bau von insgesamt 10.700 Häusern. Das sind rund 10 % mehr als im Vorjahr, in dem insgesamt 9.700 Häuser errichtet werden konnten. Bei der derzeitigen Auftragslage sind die Werke der Haushersteller für die nächsten 30 Wochen ausgelastet und damit 4 Wochen länger als noch vor einem Jahr.

Dazu tragen neben einer allgemein verbesserten Baukonjunktur natürlich auch deutliche Vorzieheffekte zum Einen wegen des Wegfalls der Eigenheimzulage Ende vergangenen Jahres und zum Anderen wegen der für das Jahr 2007 beschlossenen Mehrwertsteuererhöhung um 3 Prozent bei. Der dadurch entstandene Sondereffekt wird sich 2007 nicht wiederholen.

Generell gilt: dem Fertigbau gelingt es zunehmend der konventionellen Bauweise Marktanteile abzunehmen - und das in einem insgesamt schwierigen Markt. Lag der Marktanteil der Fertigbauweise an den Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser Ende 2004 noch bei 13,0 %, konnte er im Jahr 2005 um mehr als einen vollen Prozentpunkt auf 14,1 % gesteigert werden. Im 1. Quartal 2006 legte er abermals leicht zu: auf 14,2 %. Wir rechnen damit, diesen Anteil im laufenden Jahr nochmals leicht steigern zu können, um mittelfristig innerhalb der nächsten 5 Jahre unser angestrebtes Ziel von 20 % Marktanteil zu erreichen.

Der aktuelle Ländervergleich zeigt, dass dies kein utopisches Ziel ist, liegt der Marktanteil unserer Bauweise in Hessen im 1. Quartal 2006 doch schon bei 24,1 % und in Baden-Württemberg bei 23,2 %.

Für die gute Entwicklung der Fertigbaubranche gibt es mehrere Gründe: Der wichtigste und nachhaltigste Grund für den Aufwärtstrend bei Fertighäusern ist das marktbeherrschende Thema Energie, das bei Bauinteressenten angesichts immer weiter steigender Öl- und Gaspreise eine stetig wachsende Rolle spielt. Davon profitieren Fertighäuser auf Grund ihrer Bauweise, die eine hervorragende Wärmedämmung und damit einen dauerhaft niedrigen Heizwärmebedarf gewährleistet. Das Baumaterial Holz und der mehrschichtige Wandaufbau mit seinen sehr guten Dämmwerten unterscheiden Fertighäuser von konventionellen Bauweisen und verschaffen ihnen einen Wettbewerbsvorsprung bei der Energieeffizienz.

Generell sind alle Fertighäuser heute Niedrigenergiehäuser. Und mehr als ein Drittel (36,9 %) der in Deutschland gebauten Holzfertighäuser erfüllt die Förderkriterien des KfW-Programms "Ökologisch Bauen", sind also entweder "KfW-60-Häuser, KfW-40-Häuser" oder Passivhäuser. Die BDF-Mitgliedsfirmen rüsten ihre Häuser zunehmend mit Haustechnik auf der Basis erneuerbarer Energien aus. So werden derzeit 26 % der Eigenheime mit Solar- und/oder Fotovoltaikanlagen ausgestattet. Ebenfalls 26 % der Häuser besitzen Wärmepumpen. In rund 9 % der Häuser kommen Holzpellets-Heizungen zum Einsatz.

Die deutsche Fertigbauindustrie bezieht die Grundlage für die gute Auslastung ihrer Werke hauptsächlich aus dem Inlandsgeschäft mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Doch auch im Ausland fasst der deutsche Holzfertigbau immer besser Fuß. Die aktuelle Exportquote von 7,8 % lässt zwar noch deutliches Wachstumspotenzial erkennen, doch zeigt sich im Vergleich mit den Vorjahren ein beschleunigter Aufwärtstrend: Vor einem Jahr lag die Exportquote noch bei 6,1 %, vor zwei Jahren bei 5,1 %. Hauptexportländer für deutsche Fertighäuser sind die Schweiz, Österreich, Italien, Großbritannien und Frankreich. Ein weiteres Wachstumssegment ist das Objektgeschäft. Der steigende Umsatzanteil von 9,2 % (Vorjahr 7,9 %) zeigt, dass Kindergärten, Schulen oder Gewerbebauten immer häufiger in Fertigbauweise realisiert werden.

Zunehmend an Bedeutung gewinnt für uns die "Generation 50 Plus". Schon heute ist etwa jeder fünfte Bauherr eines Fertighauses über 50 Jahre alt. Der Umsatzanteil von 20 % bei steigender Tendenz macht die "jungen Alten" nach den Familiengründern zur wichtigsten Zielgruppe der Fertigbau-Branche.

Dazu trägt sicherlich auch bei, dass das Typenhaus endgültig der Vergangenheit angehört. Bei 69 % der Fertighäuser handelt es sich um individuelle Planungen, also um Unikate. Zugleich werden die Häuser im Durchschnitt hochwertiger. 85 % der BDF-Mitglieder melden ein steigendes Auftragsvolumen je Haus; die Bauherren entscheiden sich also zunehmend für ein Mehr an Fläche oder Ausstattung. Der Anteil der Ausbauhäuser lag 2005 bei 31,2 %.


Politische Rahmenbedingungen

Die positive Entwicklung unserer Branche im laufenden Jahr ist für uns ein deutliches Zeichen, dass der Wunsch der Deutschen nach Wohneigentum auch nach dem Wegfall der Eigenheimzulage ungebrochen bleibt. Der BDF begrüßt daher das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Ziel der Bundesregierung, das selbst genutzte Wohneigentum als Teil der Altersvorsorge in die "Riester-Förderung" einzubeziehen. Wir fordern, dass dieser Teil der Koalitionsvereinbarung jetzt schnell umgesetzt wird. Dabei muss ein Modell gefunden werden, welches für den Bauherren mit nicht allzu hohem bürokratischen Aufwand verbunden ist. Dies spricht gegen eine nachgelagerte Besteuerung, wie sie von der SPD gefordert wird. Wir plädieren für einen pauschalen Abschlag in der Ansparphase - also zu einer Zeit, in der der Sparer noch über Einkommen verfügt. Dies erfolgt am einfachsten, indem die staatlichen Zuschüsse gekürzt zur Auszahlung kommen.

Zudem fordern wir eine Aufstockung der Fördermittel bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für das Programm "Ökologisch Bauen". Da seit Beginn des Programms zum 1.1.2006 ein starker Zugriff auf die KfW-Mittel erfolgt ist, verschlechterten sich die anfangs günstigen Zinskonditionen im Laufe der Monate deutlich. So hat sich der Effektiv-Zinssatz für die KfW-60-Häuser innerhalb eines halben Jahres verdoppelt (von 2,0 auf 3,9 %). Der Effektivzins für die KfW-40-Häuser stieg sogar auf das 3,5-fache (von 0,9 auf 3,2 %). Wir plädieren dafür, den Zinssatz - unabhängig von der Nachfrage - auf einem für den Bauherren attraktiven Niveau festzuschreiben. Für KfW-40-Häuser würde dies bedeuten, dass der Effektivzins bei einem Drittel des jeweils aktuellen, durchschnittlichen Marktzinses liegt, bei KfW-60-Häusern bei der Hälfte. Wir fordern die Bundesregierung auf, das Energie sparende Bauen stärker zu fördern

Stand: Jahres-Wirtschaftspressekonferenz des BDF am 11. Juli 2006

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