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Wirtschaftliche Lage der deutschen Fertigbauindustrie: 2005

Deutschland hat die Wahl. Nicht nur politisch in genau 45 Tagen am 18. September (wenn das Verfassungsgericht nichts Gegenteiliges entscheidet), sondern auch beim Hausbau: Konventionell Stein auf Stein oder fortschrittlich in Fertigbauweise lauten hier die Alternativen. Und in dieser Frage entscheiden sich immer mehr Familien für ein Holzfertighaus.

Der Marktanteil unserer Bauweise steigt und kann sich gegenüber seiner konventionellen Konkurrenz gut behaupten: Aktuell werden in Deutschland bereits 13,4 % aller Ein- und Zweifamilienhäuser in Fertigbauweise errichtet - im vergangenen Jahr waren es noch 13,0 %. Damit konnten sich die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau e.V. (BDF) von der deutlich schlechteren Entwicklung der Bauindustrie insgesamt abkoppeln. Diese positive Branchenlage spiegelt auch eine aktuelle Umfrage unter den 40 mittelständischen Mitgliedsunternehmen des BDF wider:

Fast jeder dritte Betrieb (31,3 %) stuft seine aktuelle Geschäftslage derzeit als gut ein, weitere 50 % bewerten die Lage als befriedigend. Weniger als 20 % (18,8) melden eine schlechte Geschäftslage. Auch in den kommenden sechs Monaten rechnet keines der befragten Unternehmen mit einer Verschlechterung, fast ein Viertel (21,9 %) jedoch mit einer Verbesserung, und die deutliche Mehrheit von über 75 % (78,1 %) mit einer wenigstens gleich bleibenden Entwicklung.

Grund für diese insgesamt positive Einschätzung ist ein nach wie vor gutes Auftragspolster. Die Werke der BDF-Mitgliedsunternehmen sind derzeit für die nächsten 26 Wochen ausgelastet und haben damit die Produktion für das gesamte Jahr 2005 bereits gesichert. Der Auftragseingang von Januar bis Mai 2005 liegt bei den Unternehmen im Durchschnitt um 13,3 % über dem Vorjahreswert.

Der BDF erwartet für das Jahr 2005 einen Gesamtumsatz seiner Unternehmen von 1,42 Mrd. €. Das liegt etwa bei dem Volumen des Jahres 2003 (1,46 Mrd. €). Im Jahr 2004 mit einem Umsatz von 1,52 Mrd. € (+ 4,1 %) muss eine entscheidende Sonderkonjunktur berücksichtigt werden: Durch die Halbierung der Eigenheimzulage für Neubauten ab dem Jahr 2004 ist es Ende 2003 zu einem erheblichen Vorzieheffekt bei den Bauanträgen gekommen. Das ist auch der Grund, warum 2004 insgesamt rund 10.600 Fertighäuser gebaut worden sind (2003: 10.000) und diese Zahl im Jahr 2005 voraussichtlich rund 9.900 Einheiten erreichen wird. Rechnet man den Vorzieheffekt aus Umsatzentwicklung und Häuserzahlen heraus, hat unsere Branche die aus dem Sondereffekt 2004 folgende, kurzfristige Konjunkturdelle sogar besser verkraftet, als zu erwarten war. Tatsächlich liegt die Fertighausindustrie stabil auf dem Niveau des Jahres 2003 und hat sich damit in einem äußerst schwierigen Bauumfeld gut behaupten können. Die Zeichen für die Zukunft sind durchaus positiv.

Welche Art Häuser werden gebaut: Nach wie vor ist das typische Holzfertighaus ein Ein- oder Zweifamilienhaus. 7,9 % der Bauten sind so genannte Objekt- und Wirtschaftsbauten - also beispielsweise Verwaltungs- oder Bürogebäude und Kindergärten. Wirklich "typische" Häuser - das zeigt unsere diesjährige Umfrage - gibt es jedoch nur noch vergleichsweise selten. Zwei Drittel (66,7 %) aller gebauten Fertighäuser werden heute individuell für die Baufamilie geplant. Rechnet man die stärker typisierten Ausbauhäuser heraus, sind es sogar ca. 80 % der schlüsselfertigen Häuser. Das Architektenhaus mit persönlicher Gestaltung und individueller Raumaufteilung ist mittlerweile Standard geworden und löst das Typenhaus der Vergangenheit immer mehr ab. Industrielle Vorfertigung und architektonische Einzigartigkeit sind also keinesfalls Widersprüche, sondern werden im modernen Eigenheimbau zunehmend vereint. Mit diesem Gedanken stehen die Fertighaushersteller in der Tradition des Bauhauses, das in den 1920er Jahren ebenfalls mit vorgefertigten Bauelementen die bedeutendste deutsche Architekturschule begründete. Die klare Formensprache und die hohe Funktionalität der Häuser sind Eigenschaften der Bauhaus-Architektur, die sich noch heute in zahlreichen Hausentwürfen der Unternehmen entdecken lassen und zunehmend das Interesse designorientierter Bauherren gewinnen.

Und noch ein Trend: Der Anteil der Ausbauhäuser ist nahezu konstant und liegt nach wie vor bei rund einem Drittel (31,8 % - Vorjahr 32,6 %). Damit begegnen die Fertighausunternehmen den Wünschen der Kunden, in ihrem Haus selbst Hand anzulegen. Die Liste der Eigenleistung reicht dabei vom Tapezieren, Bodenlegen bis zum kompletten Innenausbau - ganz wie es das eigene Geschick und der Geldbeutel ermöglichen.

Apropos Geldbeutel: Trotz steigender Rohstoffpreise im Bereich Holz, Stahl, Glas und Kunststoff sowie zusätzlicher Belastungen beispielsweise durch die LKW-Maut und bei den Energiekosten haben die BDF-Unternehmen in diesem Jahr ihre Preise nicht nur stabil gehalten, sondern diese um durchschnittlich 0,7 % gesenkt. Dennoch setzt die Branche aber keineswegs auf "billig", sondern auf Qualität. Die in unserem Verband initiierte "Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau" setzt diesbezüglich für den gesamten deutschen Baubereich höchste Maßstäbe, die zudem nachweislich kontrolliert werden. Das honorieren die Kunden, denn fast drei Viertel (71,9 %) der Unternehmen melden ein gegenüber dem Vorjahr gestiegenes Auftragsvolumen pro Haus. Der Durchschnittpreis liegt aktuell bei rund 170.000 €. Das bedeutet: Häuser werden hochwertiger, die Kunden anspruchsvoller. Damit schlagen Eigenheime - die eine Investition in die persönliche Zukunft darstellen - eine andere Richtung ein als der Konsumgütermarkt mit seinem Trend zum Discount.

Qualitative Holzfertighäuser aus Deutschland sind mittlerweile auch im Ausland gefragt. Die Exportquote der BDF-Unternehmen liegt zwar derzeit noch bei steigerungsfähigen 6,1 % in diesem Jahr, doch damit immerhin schon über den Vorjahren (5,1 % in 2004, 4,8 % in 2003). Die Hauptexportländer sind Österreich, Schweiz und Großbritannien.

Die Unternehmen beschäftigen aktuell 9.415 Mitarbeiter - Mittelstand pur sozusagen. Am Ende des letzten Jahres waren es 9.580. Die Fertighaushersteller bilden verstärkt aus: Die Quote beträgt aktuell 5,1% und ist damit gegenüber dem Vorjahr (4,7 %) gestiegen: Die Branche legt Wert auf qualifizierten Nachwuchs.

In Deutschland ist die Vorliebe für den Holzfertigbau regional unterschiedlich. Beträgt der Marktanteil im Bundesdurchschnitt 13,4 %, so wird in Baden-Württemberg (21,4 %), in Hessen (20,3 %) und in Rheinland-Pfalz (19,6 %) aktuell schon jedes fünfte Haus in dieser fortschrittlichen Bauweise errichtet. Hier begegnen die immer besseren Angebote unserer Branche einer historisch verwurzelten, lebendigen Holzbautradition. Überdurch¬schnittlich viele Fertighäuser entstehen aber auch im Osten Deutschlands, nämlich in Mecklenburg-Vorpommern (16,9 %) und in Brandenburg (16,5 %).

Dem immer noch geringen Anteil in Norddeutschland werden wir mit stärkerer Präsenz begegnen: Derzeit entsteht in Hannover die "FertighausWelt am Flughafen Hannover". Es handelt sich dabei um die modernste Eigenheim-Ausstellung Europas, die am 20. August 2005 von Niedersachsens Wirtschaftsminister Hirche offiziell eröffnet wird. Das Engagement an dem neuen Standort, verbunden mit den entsprechenden Investitionen, belegt den Optimismus der Fertighausindustrie in Deutschland, die zuversichtlich in die Zukunft blickt und ihren Marktanteil in den nächsten Jahren weiter steigern wird.


Politische Rahmenbedingungen

Noch einmal zurück zur bevorstehenden Wahl am 18. September. In der BDF-Umfrage hat die deutsche Fertighausindustrie ihre Erwartungen an die Politik formuliert. Aus nahe liegenden Gründen muss die ständige Diskussion um die Zukunft der Eigenheimzulage ein Ende haben. Jedes zweite der befragten Unternehmen stellt fest, dass die Bauherren aufgrund dieser Diskussion nach wie vor völlig verunsichert sind. Zwei Optionen sind aus Sicht der Unternehmen akzeptabel: Entweder eine definitive Festschreibung der jetzigen Form der Eigenheimzulage oder aber eine Umwandlung der Zulage in eine reine Kinderförderung. Bereits im vergangenen Jahr hat der BDF hierzu ein eigenes Modell vorgestellt, dass eine Streichung der Grundförderung und dafür eine Verdoppelung der Kinderkomponente beinhaltet. Auch gegen eine komplette Abschaffung der Eigenheimzulage im Zuge einer echten Steuerreform wehren wir uns nicht. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sämtliche Subventionen gestrichen werden und damit die verfügbaren Netto-Einkommen entsprechend steigen. Dafür hätten wir als Wirtschaftsverband die mit Abstand größten Sympathien. Klar ist nur: die neue Regierung muss hier sehr schnell Klarheit schaffen, ob eine Abschaffung oder eine Umgestaltung erfolgt. Dieser unwürdige Zustand muss endlich ein Ende haben.

Außerhalb der Eigenheimzulage halten die Firmen vor allem eine Senkung der Lohnzusatzkosten - also der Sozialversicherungsbeiträge - und eine Lockerung des Kündigungsschutzes für erforderlich. Diese von mehr als drei Viertel (78,1 %) der Unternehmen vorgetragenen Forderungen würden zu Kostenentlastungen und einem Mehr an Flexibilisierung führen, dass am Ende auch den Beschäftigen zugute kommen wird.

Was wir uns sicherlich alle gemeinsam wünschen ist, dass Unternehmen und Haushalte wieder mehr Vertrauen in ihre eigene und die Zukunft unseres Landes haben. Wir brauchen hierzu eine ehrliche, verlässliche und nach vorne gewandte Politik. Von der lähmenden Angst befreit, wird dann der Blick wieder frei auf die außerordentlich günstigen Rahmenbedingungen für den privaten Wohnungsbau: Selten war das Zinsniveau so niedrig, selten waren die privaten Ersparnisse so hoch und nie die private Altervorsorge in Form von Wohneigentum so wichtig wie heute. Hinzu kommt: Mit Blick auf die beständig steigenden Energiepreise liefert die deutsche Holzfertigbauindustrie innovative und sparsame Konzepte, die sich auszahlen. Es ist kein Zufall, dass gerade in den eher kälteren Alpenregionen oder in Skandinavien traditionell mit Holz gebaut wird. Die Energie-Effizienz spricht klar für unsere Bauweise. So sind alle unsere Häuser verbrauchsgünstige Energiesparhäuser. Schon das Baumaterial Holz gewährleistet eine hervorragende Wärmedämmung. Darüber hinaus können alle Komponenten der Energieversorgung eines Fertighauses schon bei der Planung ideal auf einander abgestimmt werden - die Konstruktion, die Belüftung, die Heiztechnik. Zukunftstechnologie wie Solaranlagen sind in ein Fertighaus schon ab Werk leicht zu integrieren. Deshalb erreichen Fertighäuser die sparsamsten Verbrauchswerte überhaupt. Hier hat unsere Bauweise einen großen Vorsprung, der sich angesichts ständig steigender Energiepreise schnell herumspricht.

Stand: Jahres-Wirtschaftspressekonferenz des BDF am 4. August 2005

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