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Wirtschaftliche Lage der deutschen Fertigbauindustrie: 2004

Deutschland bewegt sich - zumindest langsam - in die richtige Richtung. Wo man hinschaut, gibt es Reformen oder zumindest Reformbemühungen. Bei Rente und Krankenkasse etwas mehr, bei der Steuer leider noch etwas weniger. Nach langer Zeit des Stillstands tut sich etwas in der Wirtschafts- und Tarifpolitik: Die Lohnkostenschraube wird langsam aber sicher gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Bisher sind es zwar vor allem die großen Konzerne wie Siemens oder Daimler, die davon profitieren, aber mit Arbeitszeit und Kündigungsschutz stehen Themen auf der Agenda, die auch für den Mittelstand wichtig sind - wenn nicht für manche Betriebe sogar überlebenswichtig. Wir benötigen jetzt dringend den Mut der Politik zu parteiübergreifenden Reformen in den Sozialsystemen und zur spürbaren Entlastung bei der Steuer. Dann schöpfen auch die Verbraucher wieder Mut, konsumieren und bauen wieder.

Doch zunächst zur Lage unserer heimischen Holz-Fertigbauindustrie. Die gut gefüllten Auftragsbücher lassen in diesem Jahr ein deutliches Wachstum der deutschen Fertigbauindustrie erwarten. In ihren Prognosen für das Gesamtjahr 2004 rechnen unsere Mitgliedsunternehmen mit Umsatzsteigerungen von gut vier Prozent auf insgesamt 1,52 Mrd. €. Auch bei der Zahl der in 2004 gebauten Häuser erwarten wir eine Steigerungsrate von ebenfalls vier Prozent gegenüber 2003. Wir rechnen damit, dass wir in diesem Jahr 10.400 Häuser bauen, gegenüber 10.000 Häusern im Jahr 2003.

Schon das Jahr 2003 war für die deutsche Fertigbauindustrie ein gutes Jahr. Mit einem Zuwachs an gebauten Häusern von knapp 10 Prozent (9,7 Prozent) konnte unsere Branche von der positiven Entwicklung beim Ein- und Zweifamilienhausbau profitieren. Dies lag maßgeblich an den Diskussionen um die Kürzung bzw. Abschaffung der Eigenheimzulage. Dies hat viele Bauwillige dazu veranlasst, jetzt zu bauen, damit die Zulage noch in ungekürzter Höhe genutzt werden kann.

Der Umsatz unserer Mitgliedsunternehmen ist im Jahr 2003 um rund 6,1 Prozent auf insgesamt 1,46 Milliarden Euro gestiegen. Mit der verbesserten Auftragslage konnten wir im vergangenen Jahr zeitweilig neue Arbeitsplätze schaffen. Insgesamt waren im letzten Jahr rund 10.000 Beschäftigte in unseren Unternehmen tätig. Bei jedem BDF-Unternehmen sind heute im Schnitt 13 junge Menschen in der Ausbildung. Damit beträgt der Anteil der Auszubildenden in unseren Betrieben 4,7 Prozent. Im Durchschnitt sind die Firmen für die nächsten 25 Wochen, also etwa für ein halbes Jahr, ausgelastet.

Für die Bauherren gibt es gute Nachrichten: Im vergangenen Jahr sind die Preise der von BDF-Unternehmen hergestellten Fertighäuser weiter stabil geblieben. Dies wird auch in diesem Jahr der Fall sein.

Wie unsere Branche die Geschäftslage derzeit einschätzt, zeigt eine aktuelle Umfrage des BDF unter seinen 36 Mitgliedern, die 90 Prozent der Holz-Fertigbauindustrie repräsentieren.

Danach bewerten knapp 30 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 60 Prozent als befriedigend und 6 Prozent als schlecht. Dass sich die Lage in den kommenden sechs Monaten verbessern wird, sagen nur 8 Prozent der Unternehmen. Mit gleichbleibendem Geschäft rechnen 70 Prozent und mit einer Verschlechterung 17 Prozent.

Offen ist, wie sich der Markt im Familienhausbau ab dem kommenden Jahr entwickelt, wenn die Vorzieheffekte durch die Eigenheimzulagen-Diskussion abgearbeitet sind. Denn schon im vergangenen Jahr schwächte sich die Steigerungsrate bei den Baugenehmigungszahlen deutlich ab.

Einiges wird künftig davon abhängen, ob es dem Holzfertigbau gelingt, sich neben dem Kerngeschäft Ein- und Zweifamilienhausbau weitere Standbeine aufzubauen. Ein zukünftiges Wachstumsfeld ist sicherlich der Export. Dies hat unsere Branche bereits erkannt, was am mittlerweile auf 5,1 Prozent gestiegenen Exportanteil abzulesen ist. Gegenüber dem Jahr 2000 hat sich der Anteil der im Ausland gebauten Häuser damit bereits verdoppelt.

Zu den wichtigsten Exportländern gehören heute die Nachbarländer Schweiz, Österreich, Italien und Frankreich. Weitere Auslandsmärkte entwickeln sich in Spanien, Tschechien, Irland, Polen, der Slowakei, Ungarn, Großbritannien und den Niederlanden.

Ein anderes künftiges Standbein kann eine stärkere Orientierung in Richtung Objektbau sein, also etwa der Bau von Schulen, Kindergärten, Hotels und Altenheimen. Der Anteil des Objekt- und Wirtschaftsbaus am Umsatz unserer Unternehmen ist im Jahr 2003 von 7,7 Prozent auf 9,1 Prozent gestiegen.

Ein Blick auf die Entwicklung der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser: Die ersten fünf Monate des Jahres 2004 sind erwartungsgemäß nicht so gut verlaufen wie das Vorjahr. Die Gesamtzahl der genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland von Januar bis einschließlich Mai 2004 sank auf insgesamt rund 79.300 (-4,9 Prozent). Auch für den Fertigbau waren die ersten fünf Monate des Jahres 2004 mit einem Rückgang von 6,7 Prozent auf 10.250 ebenfalls weniger erfreulich. Angesichts der hohen Vorjahreszahlen ist der Rückgang aber noch nicht dramatisch.

Im Gesamtjahr 2003 wurden rund 22.750 Ein- und Zweifamilienhäuser in Fertigbauweise genehmigt (2002: 20.850). Der bundesweite Fertigbau-Anteil blieb mit 13,1 Prozent Marktanteil stabil (Vorjahr: 13,5 Prozent). Das Gros dieser Häuser sind Holzfertighäuser, lediglich knapp 20 Prozent entfallen auf Stahl- oder Betonkonstruktionen sowie Importe.

Insgesamt wurden im letzten Jahr rund 174.000 Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt, dies waren beträchtlich mehr als im Jahr 2002 (155.000) und entspricht einer Steigerung von 12 Prozent.

Warum entscheiden sich Bauherren für den Holzfertigbau? Den Hauptgrund liefert der Baustoff Holz. Unsere Häuser sind zum größten Teil aus heimischem Fichtenholz gemacht und genügen höchsten Ansprüchen an Wohnqualität und Wohngesundheit. Dies garantiert nicht zuletzt die "Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau", die in vielen Bereichen mehr bietet als der Gesetzgeber vorschreibt. Die Einhaltung der Richtlinien der Qualitätsgemeinschaft sind für BDF-Mitglieder zwingend vorgeschrieben und werden von unabhängigen Prüfern regelmäßig überwacht. Damit empfehlen sich unsere Unternehmen besonders gegenüber den Bauherren und heben sich deutlich positiv von den Mitbewerbern ab. Ein weiterer Grund für das Fertighaus ist unsere ökonomische Bauweise. Die Vorfertigung erleichtert Planung und Ausführung des Bauvorhabens, verkürzt die Bauzeit und spart damit Geld. Außerdem sind Holzhäuser vorbildliche Energiesparer dank ihrer hervorragenden Wärmedämmung. Auch das ist in Zeiten steigender Energiekosten ein großer Pluspunkt. Ebenso wie die intelligente und flexible Konstruktion, die individuelle Wünsche bis hin zum Architektenhaus bei gleich bleibender Qualität möglich macht. Und schließlich haben Fertighausfirmen den entscheidenden Vorteil, alle Bauleistungen komplett aus einer Hand anzubieten. Viele Bauherren haben nicht die Zeit und nicht das Fachwissen, sich auf der Baustelle selbst um die einzelnen Gewerke zu kümmern. Für diese Kunden liefert der Fertigbau auf Wunsch ein schlüsselfertiges Haus, bei dem noch dazu vom Preis bis zum Einzugstermin alles vertraglich garantiert ist. Neu ist, dass sich die Bauherren, die mit den BDF-Mitgliedsunternehmen bauen, im Rahmen der Qualitätsgemeinschaft jetzt auch gegen das Risiko des Verdienstausfalls - zum Beispiel im Falle der Arbeitslosigkeit - versichern können.

Insgesamt gesehen steigt die Nachfrage nach Häusern, die den Bauherren die Möglichkeit bieten, selbst mit anzufassen und einen Teil der Arbeit in Eigenleistung zu erbringen. Im vergangenen Jahr waren 32,6 Prozent aller von unseren Unternehmen gebauten Fertighäuser sogenannte Aus- und Mitbauhäuser. In diesem Segment hat sich der Holzfertigbau sehr gut am Markt positioniert. Die Entwicklung geht zu Lasten der preislichen Mittelklasse, deren Zielgruppe konjunkturbedingt über erkennbar weniger Kaufkraft verfügt als noch vor Jahren. Hier hat sich der Preiswettbewerb, der selbstverständlich nicht nur unsere Branche betrifft, auch im Eigenheimmarkt verschärft.

Fazit: die Fertigbauweise steht derzeit bei den Bauherren hoch im Kurs. In einem sich weiter verschärfenden Wettbewerb ist es unser Ziel, unseren Marktanteil in den nächsten Jahren deutlich zu steigern. Dazu wollen wir unter anderem auch die Attraktivität unserer bundesweiten Musterhaus-Ausstellungen weiter verbessern, da sie das wichtigste Schaufenster für unsere Branche darstellen und eindrucksvoll belegen, wozu der Fertigbau heute in der Lage ist. Zudem müssen wir weiter offensiv für unsere Bauweise werben, wobei dem in diesem Jahr zum 3. Mal durchgeführte Aktionstag "Tag des Deutschen Fertigbaus" eine wichtige Bedeutung zukommt.


Politische Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen, die uns die Politik setzt, haben starken Einfluss auf die Entwicklung unserer Branche. Leider scheint sich die Politik - insbesondere die Politik der jetzigen Bundesregierung - der Bedeutung des privaten Wohneigentums nicht bewusst zu sein. Immer wieder sägt Hans Eichel an der Eigenheimzulage, und nach deren Kürzung zum Jahresanfang hat die Bundesregierung im Juli zum wiederholten Mal die völlige Abschaffung beschlossen.

Ordnungspolitisch ist gegen die Streichung von Subventionen nichts einzuwenden. Das sagen selbst wir als Wirtschaftsverband. Im Gegenteil: wie würden es begrüßen, wenn sämtliche Subventionen gestrichen würden, wenn dafür den Unternehmen und Haushalten mehr Geld in der Tasche verbliebe. Dies muss das mittelfristige Ziel der Politik sein. Die einseitige Streichung der Eigenheimzulage hingegen zum jetzigen Zeitpunkt lehnen wir ab. Denn es ist nicht einzusehen, dass der Staat weiterhin die Zahntechniker, die Nachtspeicherheizungen, die Steinkohle und die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein subventioniert, vielen Häuslebauern jedoch den Traum vom eigenen Heim zerstört.

Der kompensationslose und einseitige Verzicht auf die Eigenheimzulage ist für die Bauwirtschaft insgesamt verheerend. Auch wenn unsere Unternehmen schon seit geraumer Zeit mit der Abschaffung der Eigenheimzulage rechnen müssen, wären die Folgen dieser Maßnahme drastisch. Denn aus unserer Branchenumfrage geht hervor, dass über 80 Prozent der potenziellen Bauherren durch die anhaltende Diskussion und fehlende Planungssicherheit bereits heute verunsichert sind. Schon die halbierte Eigenheimzulage hat aus Sicht der Unternehmen - und die Zahlen für das laufende belegen dies - zu einer Zurückhaltung der Bauherren geführt. Und der wichtigste Punkt: unsere Unternehmen schätzen, dass die völlige Abschaffung der Eigenheimzulage zu rund 15 Prozent Umsatzrückgang führen wird. Jedes sechste Haus würde also ohne Eigenheimzulage voraussichtlich nicht mehr gebaut. Tausende von Arbeitsplätzen in der gesamten Bauwirtschaft würden wegfallen.

Bei der gesamten Diskussion wird oft die gesellschaftspolitische Dimension übersehen: Der 2002 veröffentlichte Bericht des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung zur Inanspruchnahme der Eigenheimzulage sagt klar aus, dass die Zulage eindeutig zur Wohneigentumsbildung bei Normalverdienern beiträgt. Die Empfänger der Zulage für Neubauten seit 1996 verfügten im Durchschnitt über ein Haushaltsnettoeinkommen von in Westdeutschland 2.914 € und in Ostdeutschland 2.556 € im Monat. Wir haben es also in der Praxis mit einem Facharbeiter-Ehepaar zu tun; da kann der Bundesfinanzminister wohl kaum von Besserverdienenden sprechen.

Das eigene Haus ist angesichts immer größerer Unsicherheit bei Rente und Sozialversicherung zunehmend ein wichtiger Bestandteil der privaten Altersvorsorge. Wer keine Miete zahlen muss, hat mehr von der Rente, so einfach ist die Rechnung: Genau deshalb ist das Wohneigentum bei den Deutschen die am besten akzeptierte Form der privaten Vermögensbildung. Eine Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab kürzlich, dass 58 Prozent der Deutschen Immobilien für die attraktivste Geldanlage überhaupt halten. Einer Anlage in Aktien misstrauen dagegen die weitaus meisten Menschen. Angesichts dieser Stimmung ist eine Steuer- und Sozialabgabenfreie Zulage auf Wohneigentum eine überaus sinnvolle Förderung der notwendigen und politisch gewollten privaten Altersvorsorge.

Vor allem durch die Kinderkomponente hat die Eigenheimzulage zudem ein hohes Gewicht als Instrument der Familienförderung. Wieder liefert der Bericht des Bundesamtes für Bauwesen das beste Argument für die Zulage. Bis 2002 waren nämlich fast 60 Prozent aller Förderfälle Familien mit Kindern. Insgesamt stellen in Deutschland Familien mit Kindern nur rund ein Drittel aller Haushalte, Familien sind also unter den Empfängern der Eigenheimzulage weit überproportional - nämlich doppelt so stark - vertreten.

Die Alternative zu einer kompletten Streichung im Rahmen eines umfassenden Subventionsabbaus ist die kurzfristige und gezielte Umgestaltung der Eigenheimzulage. Der Bundesverband Deutscher Fertigbau hat dazu einen eigenen - ebenso einfachen wie sinnvollen - Reformvorschlag:

Wir schlagen vor, die Eigenheimzulage auf Haushalte mit Kindern zu beschränken. Dabei kann die Grundförderung von 1.250 € pro Jahr wegfallen. Statt dessen wird die Kinderzulage von jetzt 800 € auf 1.600 € je Kind verdoppelt. Damit würden Familien mit Kindern wirksam gefördert, und der Staat würde trotzdem weniger ausgeben als nach dem bisherigen Modell. Die Einkommensgrenzen (derzeit brutto 70.000 € für Ehepaare pro Jahr und 35.000 € für Alleinstehende) blieben erhalten, der bürokratische Aufwand für die Neugestaltung hielte sich in engen Grenzen.

Unter dem Strich steht ein zählbarer Vorteil für alle Familien mit zwei oder mehr Kindern. Eine Beispielrechnung: Nach dem heute geltenden Modell bekommt eine Familie mit zwei Kindern erstens die Grundförderung in Höhe von 1.250 € und zweitens jährlich 1.600 € Kinderzulage, beides acht Jahre lang. Das ergibt eine Fördersumme von insgesamt 22.800 €. Nach dem neuen Modell muss die gleiche Familie zwar auf die Grundförderung verzichten, erhält aber acht Jahre lang 3.200 € Kinderzulage. Das macht 25.600 € Fördergeld, also 2.800 € mehr als derzeit. Eine Familie mit drei Kindern würde 9.200 € mehr bekommen, und selbst die Familie, die nur ein Kind hat, würde immer noch 75 % der jetzigen Fördersumme erhalten.

Dabei spart der Staat zugleich erhebliche Summen, nämlich über den Förderzeitraum von acht Jahren insgesamt 2,53 Mrd. €. Grundlage dieser Rechnung sind 242.000 geförderte Kinder - exakt die Zahl, mit der das Bundesministerium für Finanzen in diesem Jahr rechnet. Statt 5,89 Milliarden € für die nächsten acht Jahre würde der Staat nur noch 3,36 Mrd. € für die Eigenheimzulage bis 2012 aufwenden. Dies macht eine Einsparung bei Bund und Ländern von 40 Prozent aus.

Stand: Jahres-Wirtschaftspressekonferenz des BDF am 6. September 2004

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